Affäre Dreyfuss – In Good Company

Pressetext von Günther Wildner für CD “In Good Company” von “Affäre Dreyfuss”
Label: Jive Music, VÖ: Juni 2018

It’s a family affair

Mit ihrer ersten Album-Produktion „In Good Company” laden Dominik, Florian und Martin Fuss zu einer vielfaltigen musikalischen Begegnung mit ihrem 2015 gegründeten, akustischen Jazz-Sextett “Affäre Dreyfuss” ein.

Dieses Ensemble ist Familienangelegenheit – a family affair in verschiedenster Hinsicht. Mit drei Fuss-Bläsern in der ersten Reihe und mit drei der feinsten heimischen Jazzmusiker als Rhythmusgruppe präsentiert die „Affäre Dreyfuss“ zwei Generationen von Improvisatoren, die in ihrer stilistischen und energetischen Auffassung sowie im kreativen Zusammenspiel eng harmonieren. Neben ausgewählten Stücken des klassisches Jazz Standard Repertoires präsentieren die Musiker hauptsächlich Eigenkompositionen, die von Mainstream und Hard Bop bis Soul-, Modern- und Latin-Jazz reichen.

Interessant und wegweisend ist diese Produktion, weil sie nicht nur eine musikalische und instrumentale Meisterschaft der Bandmitglieder belegt, sondern ein tönendes Plädoyer für Identität stiftendes gemeinsames Musizieren darstellt, für Hausmusik 3.0. Das Fuss’sche Verständnis mag die Idee der biedermaierschen Praxis einschließen, in seiner Ausformung reflektiert es die Jazzepochen ab der Mitte des 20. Jahrhunderts. Schubert würde diese Musik und ihren Entstehungszusammenhang lieben, Zawinul sowieso, auch weil sich seine Komposition „One Man’s Dream“ auf dem Album befindet. Einen Referenzrahmen bilden die zahlreichen Familien der jüngeren und älteren Musikgeschichte, die sich genauso beim gemeinsamen Musizieren auf spezielle Art und Weise begegnen: von Wilson bis Marsalis, von Strauss bis Kelly oder Cyrus bis Sumner.

Die Musiker und der Bläsersatz

Martin Fuss gilt als Integrationsfigur, Förderer und Multiplikator in der österreichischen Jazz- und Popszene. Als der vielleicht vielfältigste und meist beschäftigte heimische Saxophonist –Flöte und Klarinette finden sich ebenfalls in seinem Portfolio – hat er schon mehrere Generationen junger Musiker_innen zu Professionalität und Eigenständigkeit am Instrument und im Karriereaufbau inspiriert – und das macht auch vor seinen Söhnen nicht halt. „Waltz für Flori“ ist ein farbenreicher Jazz-Walzer, den er zur Geburt seines Zweitgeborenen komponiert hat.

Dominik Fuss besticht als Trompeter, Komponist und Arrangeur trotz seines jugendlichen Alters mit große Tiefe und Souveränität in seiner musikalischen und improvisatorischen Vision. Anpassungsfähig und mit eigener Handschrift stellt er sich in den Dienst eigener und fremder Kompositionen und prägt mit seinem variablen Trompeten- und Flügelhornton den individuellen Bandsound der „Affäre Dreyfuss“. Dominik Fuss ist in besonderer Weise ein Musiker, der gerne Initiative ergreift und Verantwortung übernimmt – Attribute, die ihm in seiner musikalischen Entwicklung weiterhin extrem zugutekommen werden.

Florian Fuss konzentriert sich besonders auf das Altsaxophon und lässt mit seinem sonoren Ton sowie einer klaren, klug entwickelten Motivik aufhorchen. Er versteht es immer wieder, sein Tonmaterial improvisatorisch Stück für Stück extrem zu verdichten, um große Intensität und weite Spannungsbögen zu erschaffen. Oftmals weiß man beim Hören nicht, ist das jetzt der Sohn oder der Vater, eine große instrumentale, generationenumspannende Meisterschaft kennzeichnet die Fuss-Saxophonisten.

Gemeinsam formen die drei einen Bläsersatz, der nicht nur Themen dreistimmig vorstellt, sondern alle Register eines kreativen, abwechslungsreich arrangierten Zusammenspiels zieht: akkordische Pad-Sounds, rifforientierte Backgrounds sowie kontrapunktische Linien und Gegenstimmen zum Melodieinstrument. In seiner Kompaktheit klingt dieser Bläsersatz immer wieder nach einer um einiges größeren Besetzung.

Die Riege der „Young Lions“ komplettiert am Piano Max Tschida mit einer außerordentlich zupackenden und reifen Performance, die die musikalische Entwicklung der Stücke auf „In Good Company“ mit großer Dynamik und energetischen Soli entscheidend mitgestaltet. Tschida verfügt auf der Basis eines glasklaren Anschlags sowohl in der Begleitung als auch beim Solospiel über weitreichende pianistische Möglichkeiten, die er effektvoll und musikalisch klug nützt, um die Interaktion der Band maximal zu befeuern.

Neben Max Tschida bilden die Rhythmusgruppe Kontrabassist Hans Strasser und Drummer Mario Gonzi. Letzterer gilt als einer der führenden Jazzschlagzeuger Mitteleuropas. Er vereint in seinem Spiel enorme gestalterische Übersicht, rhythmische Raffinesse und vielfältige Klangfarben, die er den unterschiedlichen Stilen des „Affäre Dreyfuss“-Repertoires anpasst. In seinen Solobeiträgen hält er die Balance zwischen spontanem Experiment und dem großen Ganzen, dem Bandsound. Johannes Strasser spielt einen ungemein swingenden und treibenden Walking Bass. Auch in allen anderen musikalischen Zusammenhängen und Stilen lässt er sein Instrument lebendig und eigenständig mit den Kollegen in Beziehung treten. Großes Bassfundament und hochtonreiche Anschlaggeräusche verbinden sich zu einem kraftvollen, mächtigen Sound. In ihrer Interaktion sind Strasser und Gonzi höchst vital und beweglich bei einer stets hör- und spürbaren Grooveorientierung. Dieses beispielhafte Zusammenspiel gibt der Musik Fundament, Rückgrad und Abwechslung.

Alle diese fein abgestimmten Personalstile ergeben ein offenes, höchst authentisches und natürliches Klangbild, das in seiner Unverfälschtheit und strikt akustischen Instrumentenbesetzung besticht. Die Reduktion auf das Wesentliche erreicht den Hörer ablenkungsfrei und damit umso wirkungsvoller.

CD & Live-Programm „In Good Company“ mit vielfältigen jazzmusikalischen Bezügen und Verweisen

Das Album startet mit dem rasantes Uptempo Hard Bop-Stück „Fine and Dandy“ von Kay Swift (Komposition) und James Warburg (Text) und offenbart unmittelbar eine große Portion Selbstbewusstsein. So exponiert der Opener eine unbegleitete Intro-Pianopassage, die Max Tschida zunächst rubato, dann in time kristallklar phrasiert auskostet, ehe die Band souverän und abgeklärt den virtuosen Rahmen der Aufnahmen absteckt.

„Senor Silver“ ist eine Soul Jazz-Hommage von Domink Fuss an den Komponisten und Pianisten Horace Silver und streicht die enorme Spielfreude und den kreativen Überschwang des Ensembles heraus. Die Soli sind dicht, zupackend, bluesgetränkt.

Bei Martin Fuss‘ „In Good Company“ machen Piano-Tupfer über einem Bass-Orgelpunkt lyrische Räume weit auf. Eine ruhige Melodie verstärkt diese schwebende Stimmung, bis ein swingender B-Teil Bewegung initiiert, die danach organisch zu den elegischen Soundbildern des Themas zurückkehrt. Gerade diese Übergänge gestalten die Musiker mit subtilem Aufeinander-Hören und lassen die Komposition in der ihr eigenen Großzügigkeit und Offenheit atmen. Hans Strassers Basssolo schreitet lange Phrasen spinnend ideenreich durch die Harmonien.

Ein Highlight des an Höhepunkten reichen Albums ist Dominik Fuss‘ ungemein swingender Fusion Shuffle Funk „Rennwegviertel“, ein Grätzel im dritten Wiener Gemeindebezirk, das er sieben Jahre bewohnt und das ihn zu dieser Komposition angestiftet hat. Der Komponist beugt in seinem immer dichter gewebten Solo die Töne in innerstädtischer Melancholie und Nachdenklichkeit. Die Band klingt als schlafwandlerische Einheit eines urbanen Lebensgefühls, das alle Musiker eint und inspiriert.

Mit „Samba dal Mugella“ geht groß die Sonne auf, rein und heiß – kein Wunder, wurde das Instrumental von Martin Fuss in der Toscana komponiert. Hier schnurrt alles: von der jeden Tänzer in Bewegung setzenden Melodie bis zu den verschwenderisch glanzvollen Improvisationen. Mario Gonzis perfektes Schlagzeugsolo leitet zurück zum Thema und gipfelt in kurzen emphatischen Solospots der Bläser zum Abschluss des Stücks.

„Waltz for Flori“ nimmt sich viel Zeit für ruhige, klangschöne Melodien und Akkordbilder – schwebende Aufenthaltsräume einer inneren und äußeren Welt. Wohliger und liebevoller kann man einen Sohn nicht begrüßen.

Joe Zawinul hat „One Man’s Dream“ für Cannonball Adderley geschrieben, welches bis heute ein hervorragendes Vehikel für eigenständige Spots der Solisten bietet. Die Band ergreift die Gelegenheit mit viel Engagement und großer Wirkung.

Der moderne Pop Bossa Nova “One Step To Heaven” spielt wörtlich und harmonisch mit den Jazz-Klassikern “Seven Steps to Heaven” und “Giant Steps”. Mit großer Dynamik präsentiert sich das Thema, mit Entdeckerfreude die trefflich aufgebauten Improvisationen.

Mit dem funkigen Jam Track „Are You Serious“ von Martin Fuss steigt die Band genussvoll aufs Gaspedal, lässt spontanen musikalischen Ideen freien Lauf und präsentiert sich mit virtuosen Improvisatoren in Geberlaune.

„One for ST”, ein Original von Martin Fuss, meint den amerikanischen Jazzsaxophonisten Stanley Turrentine und bringt modernen, swingenden vom Soul beeinflussten Modern Jazz, den ST federführend mitgestaltet hat. Die Musiker pflegen ein tightes Zusammenspiel und Florian Fuss exponiert lange, top-phrasierte Gedankenströme, die in ekstatische Schreie münden.

Das wunderschöne und in der Film- und Jazzgeschichte bedeutende Stück „A Portrait of Jennie“ arrangiert Dominik Fuss mit wechselnden Leadinstrumenten schwebend und luftig, woran die Flöte großen Anteil hat. Die Solos funktionieren als Jazz Waltz, im Flügelhorn-Abschnitt durchgeswingt. Richtig große Balladenkunst!

„Grooving” präsentiert und verschwistert zum Abschluss des Albums unterschiedliche Rhythmuskonzepte, die Band swingt hart am Puls. Modern Jazz mit langen durchkomponierten Phasen und lustvollem Interplay in den Improvisationen.

Hört man „Good Company“ im Blindfold-Test wird man ob der internationalen Qualität von Kompositionen, Improvisationen und Zusammenspiel nicht verorten können, ob dieses Ensemble in New York, Kapstadt oder Tokio lebt und arbeitet. Nimmt man die Augenbinde ab, darf man sich freuen, dass Wien eine so hohe Musikalität und künstlerische Integrität aus dem Nukleus der Familie Fuss in die weltweite Jazzszene exportiert.

https://www.facebook.com/affairdreyfuss/

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