AMADEUS 2020 – Alles anders zum 20er

Der AMADEUS hatte sich seinen 20. Ehrentag anders vorgestellt, die Ausgangssituation im Musikleben momentan gaga: Die Live-Branche auf der Intensivstation, die Künstler waren die ersten dort: Verzweiflung und Mut der Verzweiflung stacheln zu Heldentaten an, somit ist ein neues Selbstbewusstsein zu spüren, das keine Basis hat. Wie kaufe ich meine Wurstsemmel nach dem Picknick-Konzert? Wie soll ich ohne fahrbaren Untersatz zur Autokino-Show? Wenn sie mir das Internet nicht abdrehen, gebe ich noch ein paar digitale Verzweiflungskonzerte im Rahmen meiner „Everything is leiwand“-Tournee, und spende die monetarisierten Kleinmünzen jenen, die noch schlechter dran sind. Umso wichtiger war es daher, dass der aufmerksamkeitsstarke AMADEUS zum verschobenen Zeitpunkt ein profundes Zeichen für die Szene setzte. 20.15 Uhr im öffentlich-rechtlichen Programm, das kann schon was. Die Verurteilung zur beteiligungslosen Show hat Kreativität und Erwartungen hochgeschraubt, denn wer im Ausnahmezustand Musik-Award-Shows produziert, darf doch sicher mehr Risiko nehmen, dem Druck der Quote und des Immergleichen ein kleines Haxerl stellen. Die Nominierung der immer gleichen Acts in den Großkategorien ließ Spannung und Visionen aber etwas abkühlen.

Auf Nummer sicher
Die Lösung all dieser disparaten Anforderungen hat man recht elegant in einer Nummer-sicher-AMADEUS-Ausgabe gefunden, der man das fehlende Publikumssalz in der Verleihungssuppe nicht vorwerfen kann. Nicht nur fehlten Jubel & Trara, ein voller Saal und über die Menge schwenkende Kamerafahrten, sondern auch mit Redezeit ausgestattete Laudatoren und spontane Dankesreden gingen ab, die in der Regel mit Humor und Kritik gespickt sind. Das führte zu viel Seriosität – also Jubiläumsstreicheln statt Spontaneität sowie Medien- und Branchenbashing. Ordnungsrufe kommen dann wieder nächstes Jahr, denn das altbekannte Ceterum censeo der Musikschaffenden darf keinesfalls fehlen, es bleibt notwendig. Die Seriosität zog sich bis in die entspannte Bravheit der Moderationen, Wuchtel- und Kostümzwang waren komplett abgeschaltet, für heuer durchaus akzeptabel. Der als Gastgeber angekündigte WURST machte traditionell einen guten Job. Die voraufgezeichneten Künstlerinterviews mit Dankeseinsprengseln waren extrem sympathisch und teilweise substanzlos. Informativ und kurzweilig gerieten die Künstlerportraits, da war schönerweise auch öffentlich-rechtliche Pädagogik eingepreist. Die einbegleitenden Texte zu den Musikgenres sind ja seit einigen Jahren lohnend und frisch. Die vielen AMADEUS-Rückblicke auf 20 Jahre Abfeiern meanderten zwischen Nostalgie und Seitenblicke-Charme: Frisuren, Sager, Outfits und Preisträger von damals.

Magische Live-Momente
Die sogenannten „Live“-Auftritte hatten starke Momente parat, waren ja auch neue Songs angekündigt. Ina Regen hielt in „Macarena“ mit einer bereits gegangenen Person Zwiesprache, ganz intim spielte sie mit obligater Klavierbegleitung gekonnt ihre textlich entwaffnenden Stärken aus. Dabei blieb sie das gesamte Lied auf dem Bühnenboden sitzen. Das können nur Performer tun, die die Spannung halten können – gelungen. Lou Asril und WURST zelebrierten pastellfarben die „Lovemachine“, mit viel angedeutetem Schmusi, per Fotos in sozialen Medien bereits Tage vor der Show omnipräsent. Die Performance mit der meisten Gänsehaut und dem längsten Merkfaktor legten völlig unerwartet Willi Resetarits und Wenzel Beck mit „Alanech fia dii/Immer wieder“ hin: Wie sich Resetarits Vibrato-bewährt durch die Lieder zitterte, zeigte wieder einmal so deutlich, dass Emotion vor Gesangskunst stehen muss.

Gewinner und die Next Generation
Die Preisgewinne überraschten nicht, so schafften die bereits geübten Abräumer weitere Häferl nach Hause. In der Ink-Kategorie (FM4) war der Gewinn von „Anger“ allerdings etwas unverständlich. Der wird aber seinen guten Dienst tun, Awards machen Aufmerksamkeit und im Idealfall Verkäufe bzw. das, was im digitalen Musikmarkt von der Verkaufsidee übriggeblieben ist. Letztlich ist eine lokale Kunstszene so stark wie ihre aktuellen Stützen, ihr Backkatalog und ihre Innovationskraft, d.h. neue Acts müssen vor den Vorhang, nicht am Klangspielplatz des Spartenradios, sondern sie müssen auf die große mediale Bühne. Viele talentierte Acts stehen in den Startblöcken, die Epidemie-vereist sind, streuen daher Salz und dem AMADEUS zum Geburtstag Rosen: zu hören im Artpop-Geniestreich „Rosen und Mohn“ von LIENER

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