AMADEUS 2018: Mit Selbstbewusstsein und Damen-Power

Conchita gab das Motto vor: „Wir treten heute den Beweis an, dass wir es voll draufhaben!“ Nötig wäre er gar nicht gewesen, dieser Aufruf, denn die Selbstverständlichkeit von Selbstbewusstsein hat mit dem Aufblühen der heimischen Musikszene in den letzten Jahren die Herzen und Köpfe der Musikschaffenden und ihrer Teams geflutet, Wasser ins öde Land.

Mit dieser (Über)Lebensinjektion hat auch Österreichs größter Musikpreis an Beachtung und Format zugelegt und präsentiert sich heute souverän und entspannt. Und da der Amadeus sinnvollerweise keine internationalen Kategorien mehr führt, tritt der Vergleichsgedanke mit einer internationalen Kollegenschaft erst gar nicht auf den Plan – brauchen wir nicht, die Messlatte liegt an und in uns. Trotzdem brachten die Amadeus-Veranstalter die vier Acts Simon Lewis, Marija, Onk Lou und Ariana von Poptracker im Medley-Format auf die Bühne, um zu beweisen, dass Ösi-Artists mit internationaler Tonalität ihre Qualität keineswegs vermissen lassen.

Die Jury- und Publikumsvotings brachten der gespannten Zuseherschaft im TV und dem Branchenvolk im Wiener Volkstheater einen kurzweiligen Verleihungsreigen mit Gerechtigkeitszuckerguss: 2x Wanda, 2x Bilderbuch, 1x Pizzera & Jaus, Möwe, 5/8erl in Ehr’n usw. Diese Entscheidungen sorgten für zufriedene Gesichter.

Den Stempel drückten der Verleihung freilich die Damen auf: Conchita, Ina Regen und Yasmo mit einer 21-köpfigen All Star-Damenverstärkung im Rücken – Kolleginnen, die sie alle vorstellte. Wenn man Conchita moderieren lässt, die schon vor der Sendung beim Besuch im Zuschauerraum des Volkstheaters den Anwesenden versichert hatte, dass sie sich „ein bissi anscheißt“, entsteht eine mehrfache Win-win-Situation. Schon ihre Bekanntheit, auch im nicht musikaffinen Publikum, tut sowohl der Veranstaltung und als auch der ORF Fernsehausstrahlung gut. Selbst die Branche hat sie ins Herz geschlossen, weil sie einerseits eine erstaunliche Interpretin ist und andererseits ein glühender Musikfan mit breitem Geschmacksspektrum. Das ließ sie oft in ihren wertschätzenden Conférancen aufblitzen und diese Komplimente taten einfach gut. Shooting-Star Ina Regen ist auch so ein Phänomen, auf das sich alle momentan einigen können, stimmt bei ihr ganz offensichtlich das Gesamtpaket aus Repertoire, Sängermeisterschaft und unprätentiösem Menschen nicht weniger als passgenau. Sie tat nicht mehr als sie zurzeit tun muss: „Wie a Kind“ am Flügel singen, mit maximaler Wirkung.

Yasmo & die Klangkantine brachte dann Frauen-Power in hochwertiger künstlerischer Ausgestaltung mit dem Rap „Girls Wanna Have Fun“ zum Ausdruck: Sie startete mitten im Saal mit gesprochenen Passagen, von Zwischenapplaus belohnt. Diese Worte und die Forderung nach gleichen Rechten und gleicher Bezahlung steigerte sie auf der Bühne zu einem groovenden, mitreißenden Track, der im Hinweis gipfelte: „Wir sind vielseitig, wir sind unterschiedlich, man kann uns nicht übersehen, wir sind da, wir sind solidarisch, wir sind viele.“ Conchita hatte davor wissend anmoderiert: „In Zeiten wie diesen ist diese Künstlerin unverzichtbar.“

Zebo Adam, Produzent, und für „Magic Life“ von Bilderbuch ausgezeichnet, führte erfrischend trocken und anschaulich aus, dass sich das neue Selbstbewusstsein in einer immer öfter belohnten künstlerisch-gestalterischen Risikobereitschaft niederschlägt, und diese auch von Deutschland mittlerweile bewundert und nachgefragt wird.

Um der Verleihung die oft bleiern wirkende Vorhersehbarkeit zu nehmen, hatte man sich einerseits für Laudatoren mit Preisübergabe entschieden und andererseits für Preisverkündungen aus dem Off mit anschließenden Dankes-Videos, die manchmal durchhingen, sich aber immer wieder zu kleinen humorvollen Gesprächen und subjektiven Bandbiografien verdichteten. Höhepunkt das in weißen Bademänteln mit 5/8erl in Ehr’n geführte Interview, das der verschmitzte Max Gaier augenzwinkernd mit „We are unstoppable“ beschloss. Überhaupt hatte man sich für den Amadeus einiges überlegt, um frisch und unverbraucht durch den Abend zu kommen, u.a. das ganz zu Beginn programmierte Conchita-Medley mit „Rock Me Amadeus“, „Bungalow“, „Eine ins Leben“ und „Wie a Kind“.

Der Saalsound im Volkstheater ließ etwas zu wünschen übrig, im TV war er in Ordnung, dafür glänzten Bühne und Licht mit Einfallsreichtum und Opulenz. Würdig war die Verleihung des Preises fürs Lebenswerk an Wilfried, die Rudi Dolezal mit Film-Hommage und als Laudator und Dankesredner in Personalunion bestritt. Insgesamt ergab das einen wohl erstmalig ohne Medien- und Musikbranchen-Bashing auskommenden Harmonie-Amadeus, wo selbst im Genre Schlager/Volksmusik dem eloquent und sympathisch dankenden Gottfried Würcher, Frontmann des Nockalm Quintetts, hohe Wertschätzung entgegengebracht wurde. Durch den tosenden Abschlussapplaus brüllte Milica Theessink mir zu: „Beste Moderation ever! Das kannst du ruhig schreiben!“

http://www.amadeusawards.at

Artikel weiters erschienen auf: kulturwoche.at
Artikel weiters erschienen auf: filmsoundmedia.at

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